So dick war es diesen Winter noch nie. Auf der Felsplatte gehe ich in die Hocke, führe die Axt in die Tiefe und hacke mich durch sieben Zentimeter Eis. Es ist anstrengend. Mein Atem wird laut, ich gehe in die Brustatmung, versuche dabei weiterhin durch die Nase zu atmen. Wasser spritzt an meine Jeans. Die dicken Eisbrocken angle ich heraus. Die kleineren verteilen sich wie Eiswürfel auf einem Getränk.
Sie klacken, als ich zwischen ihnen ins Wasser eintauche. Ich entspanne mich, nur die Hände und Arme halten mich an der Leiter, alles andere entspanne ich. Schwerelos schweben meine Beine im Wasser. Es ist still.
Ein Vogel zwitschert, dann ein anderer, verhalten wie die Landschaft unter dem Schnee. Winterstimmen, die ich oft nicht wahrnehme. Ein Verkehrsflugzeug schiebt sich über den Himmel.
Hier im Wasser bleibt es still. Die Minuten vergehen. In den Zehen verwandelt sich die Kälte in Schmerz. Ich nehme es wahr, atme ruhig und schwebe weiter. Die Finger an der Sprosse werden blass. Ich nehme es wahr. Ich fühle mich, als könnte ich ewig im Wasser bleiben, auch wenn das so nicht stimmt.
Ich löse eine Hand, greife nach oben und ziehe mich langsam heraus. Die Eiswürfel klicken.
Im Haus trockne ich nur das Gröbste ab. Ich lasse mir Zeit mit dem Anziehen. Warte. Atme.
Dann brandet die Kälte heran, greift tief im Körper an. Ein kalter Brand von ungeheurer Reinheit und Klarheit. Ich versuche mich nicht zu wehren.
Manchmal erscheint mir diese Kälte wie die Umarmung des Todesengels. Dieses Mal verfällt mein Körper stattdessen ins Zittern. Als ich mich zu verkrampfen beginne, atme ich langsam aus, lasse los. Das Zittern ebbt ab, kommt wieder, ich atme aus, werde ruhig, erzittere, beobachte, atme.
Irgendwann bleiben Reinheit und Ruhe.
