Unten am Fluss

„Ich gehe lieber in Schweigen“, lehne ich das Angebot freundlich ab und drehe mich in die entgegengesetzte Richtung für meinen Spaziergang.

Manchmal glaube ich, in Worten zu ertrinken – in Worten, Stimmen, Reizen. Vor einem blinkenden Deckenlicht schließe ich die Augen, ein schneller Filmschnitt verursacht mir Übelkeit und nachdem ich in einem fremden Bad nach einem gewöhnlichen Duschgel gegriffen hatte, musste ich mich anschließend augenblicklich nochmals duschen, weil es mir vor dem Geruch auf meiner Haut so sehr ekelte.

Vielleicht bin ich deshalb aus der Stadt aufs Land zurück, was mir nur wenige Jahre zuvor noch als unmöglich erschienen wäre. Zurück also aus jenem Kosmos aller Möglichkeiten, dem Leben unter Strom, den nie ruhenden Verschiebungen von Menschen, Dingen, Informationen, Energie, den harten Flächen aus Asphalt und Beton, jede Kante ein Angriff auf mich.

Manchmal möchte ich nichts als Flöte spielen unten am Fluss.

6 Gedanken zu „Unten am Fluss

  1. Herr Ärmel

    Flöten vielleicht nicht gerade. Die anderen Sensationen und Emotionen in Ihrem Bericht, lieber Zeilentiger, unterschreibe ich. Ausnahmslos.

    Obwohl, pfeifen vielleicht. Im Sinne Hermann Hesses.

    Herzliche Grüsse aus dem sonnigen Bembelland, Herr Ärmel

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    Antwort
    1. zeilentiger Autor

      Lieber Herr Ärmel, lieber ‚Empfindungsgenosse‘, das finde ich witzig: Mir ist zwar der Zusammenhang von Pfeifen und Hermann Hesse nicht bekannt, aber an Letzteren dachte ich (unter anderem) auch bei der Chiffre „Flöte spielen unten am Fluss“, auch wenn da in „Siddharta“ sehr wahrscheinlich keine Flöte vorkommt. (Ich erinnere mich nicht daran, es zu lange her.)

      Bleiben Sie wohlbehalten.

      Gefällt 1 Person

      Antwort
      1. Herr Ärmel

        Pfeifen

        Klavier und Geige, die ich wahrlich schätze,
        Ich konnte mich mit ihnen kaum befassen;
        Mir hat bis jetzt des Lebens rasche Hetze
        Nur zu der Kunst des Pfeifens Zeit gelassen.

        Zwar darf ich mich noch kein Meister nennen,
        Lang ist die Kunst und kurz ist unser Leben.
        Doch alle, die des Pfeifens Kunst nicht kennen,
        Bedaure ich. Mir hat sie viel gegeben.

        Drum hab ich längst mir innigst vorgenommen,
        In dieser Kunst von Grad zu Grad zu reifen,
        Und hoffe endlich noch dahin zu kommen,
        Auf mich, auf euch, auf alle Welt zu pfeifen. (Hermann Hesse)

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