Bangkok im Schnee

„Das fühlt sich an wie Bangkok“, sagt meine Frau, als ich ihr von dem gebratenen Reis schöpfe, den ich mir zum Frühstück gemacht habe. Ich blicke zum Fenster hinaus. Ein scharfer Wind treibt Schneeflocken heran. Ich höre durch die Scheiben hindurch das Rauschen der Bäume. Der Boden ist seit Tagen weiß.

„Es schmeckt auch wie Bangkok“, freut sich meine Frau.

Von Bangkok habe ich keine Ahnung, aber ich weiß, dass ein kräftig gewürzter, gebratener Reis genau das Richtige für mich zum Frühstück ist. Erst recht, wenn die Nacht wieder kinderintensiv war, meine Augenfalten sich tief wie Schluchten und mein Rücken fragmentiert anfühlen. Ein Katerfrühstück nach dem ganz normalen Leben.

Eigentlich könnte ich gebratenen Reis jeden Morgen essen. Gelegentlich im Wechsel mit einer scharfen Suppe. Brot und Croissant, Müsli und Porridge, was wollt ihr mir denn dagegen bieten? Ich sollte Chili und Ingwer züchten oder zumindest Zitronenbäume und nicht Kohl und Karotten aus dem Garten meiner Ahnen essen! So gesehen bin ich in der falschen Welt aufgewachsen, denke ich mir und beiße in ein Dinkelvollkornbrot mit Orangenmarmelade.

Köstlich.

Vielleicht sollte ich mir noch eine zweite Scheibe streichen.

4 Gedanken zu „Bangkok im Schnee

  1. Robert

    „Ein Katerfrühstück nach dem ganz normalen Leben.“ Ein Satz, der die Schleuse für eine wahre Bilderflut öffnet….

    Ich hoffe und wünsche Dir, dass Dich Dein Leben nicht zu häufig verkatert.
    Herzliche Grüße,
    Robert

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