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Plopp

Nichts macht mir so Lust auf Bier wie Bücherkisten zu schleppen. Einmal habe ich die ganze Bücherwand allein 5 1/2 Stockwerke nach unten getragen, um niemanden damit belästigen zu müssen. Selbst ist der Mann und so. Ich hatte die Anzahl der Stufen ausgerechnet, ich weiß sie nicht mehr, ich weiß nur noch, dass mir Bier vielleicht nie so gut geschmeckt hat wie an jenem Tag. Jetzt sind es weniger Stufen und auf viel mehr Tage verteilt, aber das Bier schmeckt wieder, alkoholfrei, nach langer Zeit, in der ich ihm gar nichts abgewinnen konnte, und dazu die warmen Tage, wie ein früher Sommer, ich liebe diese Sonne, sauge sie auf, lege mich nackt zwischen die blühenden Bäume, mit einer Zeituhr, weil die Haut ja noch so blass, und dazu eine Trockenheit, die gibt es hierzulande eigentlich gar nicht und erst recht nicht um diese Jahreszeit, wo es doch dauernd an den Alpenrändern herunterschüttet, aber vom Gefühl her einfach geil, auch wenn da etwas in mir flüstert: Das ist nicht gut und bitte, bitte regne doch auch zwischendurch mal, aber die Sonne nehme ich trotzdem mit und bin wie aufgeladen nach einem halben Jahr auf Notstrom, strotzend, nachglühend, könnte gerade einfach immer weiterschleppen und dann noch ein Bier und dann ist der Kasten schon leer und das Regal immer noch nicht. Morgen dann Regen, sagt der Wetterbericht.

Verzaubert vom Lauf eines Tieres

Abends, bevor ich ging, half ich die Pferde auf eine Wiese zu bringen. Es war bereits fast dunkel, nur ein letzter Glanz färbte noch den westlichen Horizont. Auf der Koppel angekommen, sprengten die Rösser schnaubend und prustend den Hang empor, wie eine entfesselte, übermenschliche Macht, und stürmten dann den Scheitel des Hügels entlang. Diese kraftvollen Silhouetten dort oben gegen das allerletzte Licht des Tages zu sehen, war so unerwartet wie überwältigend schön, als wäre die Welt verzaubert worden vom Lauf eines Tieres.